Lebenskleidung im Interview mit Hilde von ‚Ordinær‘

Download PDF

Wir hoffen, Ihr hattet alle einen fantastischen freien Tag und habt damit auch einen mehr als guten Start ins Wochenende! Wir freuen uns sehr, heute dieses Interview mit Hilde vom norwegischen Label „Ordinær by Rubecksen“ mit Euch zu teilen.
Ihre Designs sind wunderschön und wir können es kaum erwarten, sie uns genauer anzusehen – am besten am eigenen Leib!
Fürs Erste aber viel Spaß beim Lesen des Interviews und ein schönes Wochenende.

Hallo Hilde – könntest Du Dich einmal kurz vorstellen?

Mein Name ist Hilde Stiegler Rubecksen und ich bin die Gründerin des Womenswear-Labels ‚Ordinær by Rubecksen‘. Ich habe einen MA in Damenmode vom Royal College of Art in London, wo ich mehrere Jahre gearbeitet habe, bevor ich vor ein paar Jahren dann nach Norwegen zurückkehrte.

Eine sehr offensichtliche Frage zum Start: Was bedeutet ‚ordinær‘ und wieso hast Du diesen Namen gewählt?

‚Ordinær‘ bedeutet ‚gewöhnlich‘ auf Englisch und ‚alltäglich‘ auf Französisch und hat ähnliche Bedeutungen, die von ‚allgemein und banal‘ bis zu ‚einfach und neutral‘ reichen. Ich liebe den Klang dieses Wortes und wie es irgendwie das Banale und Normale verkörpert. Für mich umfasst es auch die potentielle Schönheit dessen, was als gewöhnlich angesehen werden kann, und mich interessiert, wie und was bestimmt, wenn sich etwas vom Gewöhnlichen zum Außergewöhnlichen entwickelt. Das ‚O‘ in Ordinær steht für mich außerdem als Raum – der gefüllt werden kann. In der Tat ist es also sehr offen!

Wann wurde das Label gegründet und was hat den Ausschlag dafür gegeben?

Die Marke wurde im Jahr 2016 gegründet. Als Designerin liebe ich es zu kreieren und ich liebe schöne Dinge und Textilien. Ich mag es zu konsumieren, aber ich habe auch eine fast angeborene Anziehungskraft oder Faszination für das Recycling oder die Nutzung dessen, was bereits da ist oder übrig bleibt. Diese Kombination inspiriert mich irgendwie und repräsentiert einige der Aspekte, die mich zum Design und der Gründung meines eigenen Labels motiviert haben.

© Heidi Fagerlid

Wieviele Leute arbeiten derzeit bei Deinem Label und wie wichtig (oder unwichtig) sind Dir größere oder kleiner Arbeitsstrukturen?

Ich arbeite im Moment alleine, aber ich hole mir bei Bedarf Hilfe. Mit der Zeit würde ich gerne ein kleines Team haben, hoffentlich in naher Zukunft. Ich bevorzuge kleinere Arbeitsstrukturen, aber das liegt vielleicht daran, dass ich mehr Erfahrung in kleineren Unternehmen habe.

Verkaufst Du Deine Stücke eher online oder im Laden?

Ich habe beides gemacht und möchte dies weiterhin tun, mit dem Hauptaugenmerk darauf, direkt online an die Kunden und über einen physischen Shop zu verkaufen. Ich würde beides gerne tun, denn ich denke, es ist wichtig, sowohl online als auch im Geschäft präsent zu sein, um mehr Kunden zu erreichen und den Kunden zu ermöglichen, Produkte in einer Ladenumgebung zu sehen, wo sie die Kleidungsstücke anfassen, fühlen und anprobieren können – und gleichzeitig auch online verfügbar sein.

Wie steht es um die nachhaltige Modewelt in Norwegen? Tut sich da eine Menge und kann man einen Übergang hin zu mehr Nachhaltigkeit beobachten?

Es gibt ein wachsendes Interesse und eine wachsende Wertschätzung für nachhaltige Mode in Norwegen, insbesondere in der Kindermode, aber viele Menschen sind nicht unbedingt bereit, sich beim Einkaufen für nachhaltige Mode zu entscheiden – aus verschiedenen Gründen. Die Menschen werden sich jedoch zunehmend bewusst, welche Lebensmittel sie kaufen und woher sie kommen – und darauf basierend Verbraucherentscheidungen treffen. Ich denke und hoffe, dass dies in den kommenden Jahren auch in der Mode immer mehr der Fall sein wird.

© Heidi Fagerlid

Mit welchen Schwierigkeiten hast Du immer wieder zu tun – und wie löst Du sie?

Ich denke, es ist schwierig, die hohen Mengen zu decken, die oft in der Produktion von Kleidung und beim Kauf von Stoffen benötigt werden. Ich muss sehr wählerisch in Bezug auf die Stile sein, die ich in Produktion bringe, und versuchen, Stoffe auszuwählen, die ich mehrmals verwenden kann, um die benötigten Mengen zu erreichen. Auch die Suche nach Unternehmen, die nachhaltige und recycelte Textilien produzieren, und Fabriken, die nachhaltig produzieren, kann eine Herausforderung darstellen und die Kunden auf die Bedeutung – und oft auch auf die Bedeutung – von Nachhaltigkeit aufmerksam machen.

Aus reiner Neugier: Wie bist Du auf Lebenskleidung aufmerksam geworden?

Ich habe Lebenskleidung bei meiner Online-Recherche zu nachhaltigen Stoffen gefunden.

Was bedeutet Nachhaltigkeit für Dich – im Beruf, aber auch privat?

Für mich ist Nachhaltigkeit sehr wichtig. Sie hat viele Ebenen und kann auf viele Arten ausgedrückt werden, und das ist etwas, was ich immer sowohl in meinem persönlichen Leben als auch in meinem Geschäft erforschen möchte. Das ist natürlich manchmal schwierig, vor allem bei der Arbeit, aber ich finde es lohnt sich. Ich denke, dass Nachhaltigkeit auf viele Arten geschehen kann – durch die Verwendung von Bio-, Recycling- oder Vintage-Stoffen oder ‚toten‘ Materialien sowie die Gewährleistung guter Arbeitsbedingungen für alle Beteiligten – um nur einige zu nennen. Ich hoffe auch, andere Aspekte der Kreislaufwirtschaft und des Upcyclings zu erkunden und daran zu partizipieren, und ich bin fasziniert von der Idee, etwas vermeintlich Unbrauchbares zu nehmen und etwas zu schaffen, das wünschenswert ist – vor allem, wenn dies als Mittel zur Minderung unserer Umweltauswirkungen dient.

Wie wichtig ist es für Dich, zu netzwerken? Nimmst Du beispielsweise regelmäßig an Roundtables teil?

Ich besuche manchmal die ‚Première Vision‘ in Paris, aber ich besuche selten andere Messen. Ich würde das gerne öfter machen – und auch an Veranstaltungen teilnehmen, bei denen ich für mein eigenes Label werben kann.

Wie würde die ideale Konsumlandschaft für Dich aussehen?

Meine ideale Konsumlandschaft dreht sich viel um Nachhaltigkeit, Zeitlosigkeit und Qualität über Quantität. Ich schätze Produkte, die gleichzeitig schön und funktional sind und die aufgrund ihrer Qualität ein langes Leben haben können, aber auch, weil sie bei ihrem Besitzer Pflege und Wertschätzung hervorrufen – und Produkte, die gut altern. Kunden, die diese Werte und Qualitäten teilen und die in der Lage und willens sind, dafür zu zahlen, das wäre meine ideale Konsumlandschaft!

Lebenskleidung stellt vor: SnipSnip.Fashion

Download PDF
Ihr habt eine Idee, wisst aber nicht, wie Ihr sie umsetzen könnt?
Genau hier kommen die Schweizer von SnipSnip.Fashion ins Spiel!

Sie helfen Euch nicht nur bei der Erstellung des Schnittmusters, sondern beraten Euch auch zu Designfragen, Grading und Mustererstellung.

Das Familienunternehmen mit Sitz in Zürich und einer eigenen Produktion im Balkan ist unter dem Namen SlowFashionFast seit acht Jahren ein wichtiger Ansprechpartner, wenn es um das Umsetzen von Kollektionen oder kleineren Aufträgen geht – für Designer und Labels, aber auch für Schulen oder den Einzelhandel.

Hintergrund für SnipSnip.Fashion war die Beobachtung, dass viele Menschen ihre Schnitte nicht selber machen, sondern diesen Teil der Produktion sozusagen outsourcen. Wer das schon einmal getan hat, weiß, dass das mit horrenden Kosten und organisatorischem Mehraufwand verbunden sein kann.

SnipSnap.Fashion setzt genau dort an und bietet einen Service an, der nicht nur schnell, sondern auch günstig ist. Für 129 bis 209 Euro – je nach Komplexitätsgrad der Muster – erstellen sie einen Grundschnitt, der gemeinsam mit einem genähten Nesselstoffmuster an die Kunden geschickt wird – analog geplottet und digital.

Zum Launch des Services hat SnipSnip.Fashion noch bis Ende Mai ein Angebot, das Ihr unbedingt wahrnehmen solltet – alle Schnittmuster, egal ob groß, klein, einfach oder hochkomplex, werden zum Pauschalpreis von 99 Euro umgesetzt!
Alles, was Ihr dazu einsenden müsst, ist eine Skizze, ein Bild oder eine technische Zeichnung, die Ihr dann an contact@snipsnip.fashion sendet. In rund zehn Tagen erstellen SnipSnip dann Euren Grundschnitt und senden ihn zu Euch.

Wir sind hellauf begeistert und finden, dass der Wonnemonat Mai der perfekte Monat für ein solches Angebot ist!

Apropos Schweiz und Mode:
Zum Monatsende ist Lebenskleidung Co-Founder Enrico Rima in Zürich.
Dort dreht sich am 31. Mai alles um eine Frage, die Euch alle betrifft: Wie lässt sich eine nachhaltige Produktion planen und umsetzen?

Gemeinsam mit Mark Starmanns von Get Changed! wird Enrico am Beispiel unserer Bio Baumwolle aus Uganda und Indien darüber sprechen, welchen Nutzen und welche Vorteile Bio Baumwolle hat und welche die einzelnen Schritte im Sourcing nachhaltiger Stoffe sind. Am 1. Juni dann könnt Ihr unsere Kollektion entdecken und Euch beraten lassen. Den kompletten Flyer zur Veranstaltung könnt Ihr Euch hier anschauen!

WAS?
Textile & Fashion Talk und Lebenskleidung Kollektionsvorstellung
WANN?

Am 31. Mai von 19h bis 21h findet der Talk statt, am 1. Juni könnt Ihr von 10h bis 17h die Lebenskleidung Kollektion sehen
WO?
Schweizerische Textilfaschule STF
Hallwylstraße 71, 8004 Zürich

Mit Lebenskleidung auf den Spuren der Bio-Baumwolle in Uganda

Auf den Spuren der Ugandischen Bio Baumwolle
Download PDF

Baumwolle ist ein wunderbarer Rohstoff, den wir bei Lebenskleidung in seiner natürlichen Form lieben und schätzen und zu wundervollen Stoffen verarbeiten.

Neben unseren Freunden und Partnern, mit denen wir bereits seit Jahren vertrauensvoll zusammenarbeiten, wollten wir neue Wege betreten und lernen, wie es um den Bio Baumwollanbau in Afrika steht. Unter dieser Devise stand die erste Lebenskleidung Reise auf den afrikanischen Kontinent im letzten November, auf die wir Euch nun gern mitnehmen möchten.

Die Bio Baumwolle in ihrer vollen Schönheit
Die Bio Baumwolle in ihrer vollen Schönheit (Copyright der Bilder: Enrico Rima und Lebenskleidung)

Dabei haben wir uns in einer starken Allianz auf die Reise in den Norden Ugandas gemacht: mit unserem Partner von Cotonea und der befreundeten Unternehmung Kayo & Kato. Genauer gesagt in die Region Gulu, die bis vor 15 Jahren noch mit Unruhen und einem schrecklichen Bürgerkrieg zu kämpfen hatte.

Heute geben sich sämtliche Hilfsorganisationen der Welt in dieser Region die Klinke in die Hand. Die Vereinten Nationen (UN), die Gesellschaft für Entwickung und Zusammenarbeit (GIZ), japanische Hilfsorganisationen und viele NGOs, sie alle sind mit ihren auf den ersten Blick sichtbaren Pick Up Trucks hier unterwegs. Um zu helfen. Aufzubauen. Die lokale Bevölkerung zu unterstützen. Aber wir glauben dabei noch stärker an Hilfe zur Selbsthilfe.

Neugierige Schulkinder in Gulu
Neugierige Schulkinder in Gulu

Wir sind hier um die Gulu Agricultural Development Company (GADC) zu besuchen. Und mit ihr einige der mittlerweile 80.000 (!) Kleinbauern, die für die GADC Bio Baumwolle, Sesam, Chilli, Mais und weitere Pflanzen anbauen. Unser Partner unterstützt die Initiative bereits seit dem Jahr 2009 und hat mitgeholfen, dass sich der Anbau von Bio Baumwolle hier lohnt, dass die Bauern feste Abnahmepreise erhalten und vor allem lernen, wie man die eigenen Felder im Sinne des ökologischen Landbaus ökonomisch bestellt.

Ökologischer Landbau bedeutet intakte Natur
Ökologischer Landbau bedeutet intakte Natur

Von den Feldern Ugandas ins Stoffregal

Der Weg der Bio Baumwolle führt von den Feldern der Kleinbauern über die Ginnery, d.h. die Entkernungsanlage, in der die Samen der Bio Bauwolle entfernt werden und in dem die weißen Baumwollbälle zu Ballen gepresst werden, zur Spinnerei, zur Strickerei oder Weberei, zur Färbung und final zum fertigen Stoff.

Hier in Uganda ist die Wertschöpfungskette noch in den zarten Anfängen und die in der Ginnerei gepressten Ballen finden ihren Weg nach Europa oder Asien, um zu einem Bio Baumwollgarn zu werden aus dem man Stoff produzieren kann.

Ein Stoffballen mit Bio-Baumwolle bereit für den Versand
Ein Stoffballen mit Bio Baumwolle bereit für den Versand

Wir möchten Euch dieses Projekt etwas genauer vorstellen und in Zukunft noch stärker unterstützen, denn die langfristig auf Nachhaltigkeit angelegten Projekte sichern inzwischen vielen zehntausenden Menschen einen bescheidenen Wohlstand mit Ressourcen für Bildung und Gesundheit. Selbst in der einst komplett zerstörten Region Gulu im Norden Ugandas muss heute niemand mehr aus Not sein Land verlassen.

Die Arbeit der Gulu Agricultural Development Company (GADC)

Ein Blick zurück. Die Gulu Agricultural Development Company (GADC) wurde im Jahr 2009 von dem südafrikanischen Entrepreneur Bruce Robertson gegründet. Die GADC arbeitet im Norden Ugandas, einer Region, die bis zu diesem Zeitpunkt von einem 20 Jahre andauernden Bürgerkrieg erschüttert war. Eine Millionen Menschen wurden in der Zeit des Krieges aus ihren Dörfern vertrieben und konnten ihre Baumwollfelder nicht mehr bestellen. Eine brutale Rebellengruppe, die Lord´s Resistance Army (LRA), der Name ‚Kony‘ mag im Westen ein Begriff sein, sorgte für sehr viel Blutvergießen und die Menschen, die aus ihren Dörfern vertrieben wurden oder flohen, lebten als sogenannte Internally Displaced Person (IDP), also im eigenen Land vertriebene Menschen, in Flüchtlingslagern. Ihre Häuser waren bis auf den Grund niedergebrannt, ihr Hab und Gut, meist Vieh und Werkzeuge, waren verloren. Mit keinerlei Zugang zu Samen, einem Markt oder Krediten war es den vertriebenen Bauern schier unmöglich Hoffnung zu schöpfen und ihr Leben wieder aufzubauen. Bauwolle war einst ihre sichere Einkommensquelle, aber auch die letzte wirtschaftlich betriebene Baumwoll-Ginnerei wurde bereits im Jahr 1999 geschlossen. Der Krieg führte nicht nur zu großen monetären Verlusten, sondern auch zu einem riesigen Verlust an landwirtschaftlichem Wissen der Landbevölkerung.

Die Bevölkerung Nordugandas hat wärend des Kriegs unendlich gelitten, seit ca. 10 Jahren ist glücklicherweise Frieden eingekehrt
Die Bevölkerung Nordugandas hat wärend des Kriegs unendlich gelitten, seit rund zehn Jahren ist glücklicherweise Frieden eingekehrt

So widmete sich die GADC in ihren Anfängen vor allem der Wiederbelebung des alten bäuerlichen Wissens sowie der Aus- und Weiterbildung der Bauern in den Bereichen nachhaltige Landwirtschaft und Landwirtschaft als Lebensgrundlage. Zusammen mit Danida, dem Mercy Corps, dem UNDP und der GIZ wurden Felder in bestimmten geographischen Regionen aufgebaut und neue Wertschöpfungsketten gebildet. Auf das Wirken der Cotton Development Organization (CDO), einer ugandischen Regierungsstelle die sich dem Ziel verschrieben hat, den Baumwollanbau in Norduganda zu fördern und Einkommen für die Menschen zu generieren, nahm Bruce Robertson unter großem Risiko die Baumwoll-Ginnerei im Jahr 2009 wieder in Betrieb. In ihrem Entwicklungsverlauf realisierte die GADC schnell, dass sie wirtschaftlich nicht einzig mit der Verarbeitung von Baumwolle überleben konnte. So wurde das Projekt um Sesam, Chillies, Sonnenblumen und Mais erweitert.

Ein Sesamfeld mit Sesamähren, die in der Sonne trocknen
Ein Sesamfeld mit Sesamähren, die in der Sonne trocknen
Auch sehr scharfe Chillies wachsen hier
Auch sehr scharfe Chillies wachsen hier

Ein integraler Bestandteil der Arbeit der GADC ist ihr einzigartiges Feld-Netzwerk-System. Die Gesellschaft bezieht ihre Produkte von über 80.000 Kleinbauern aus ganz Norduganda. Diese werden durch ein Netzwerk von Einkaufs-Agenten unterstützt, die als selbstständige Gemeinde-Entrepreneure wiederum von der GADC vorfinanziert werden. Durch dieses Feld-Netzwerk und ihre Partnerschaften bietet die GADC zusätzlich Weiterbildungen für die Bauern in verschiedenen Bereichen, wie zum Beispiel nachhaltige Landwirtschaft, sachgerechte Lagerung der Ernte, Buchhaltung usw. an.

Field Officer Peter im Gespräch ,mit den Bauern
Field Officer Peter im Gespräch mit den Bauern

Ebenfalls werden die Bauern über die GADC durch die Organisationen Fair for life for trade (Fair Trade) und Control Union (für GOTS) zertifiziert.

Fairer Handel und Ausbildungschancen

Fair For Life Logo

Fairer Handel heißt, dass die Bauern lernen, wie sie im ökologischen Anbau gute Erträge erwirtschaften können. Die Projekte kaufen die Produkte zu fairen Preisen und übernehmen den Vertrieb. So hat der Bauer sein Auskommen, er kann Bildung und Gesundheit finanzieren. Das Projekt der GADC ist hierarchisch organisiert. Die Bauern bewerben sich für eine Mitarbeit im Projekt und werden registriert. Einer Gruppe von ca. 25 Bauern steht ein Lead-Farmer als primus inter pares (Erster unter Gleichen) vor. Zehn solcher Gruppen (also ca. 250 Bauern) bilden eine Kooperative. Sie bekommt ein eigenes Konto, über das die Fair Trade Prämien verwaltet und nach gemeinschaftlichem Beschluss verwendet (ausbezahlt) werden.

Mit den Farmern der Kooperative
Mit den Farmern der Kooperative

Ansprechpartner der Lead Farmer ist der Field Officer. Er ist angestellt bei der GADC und trainiert „seine“ 10 Lead Farmer, die wiederum „ihre“ Bauern schulen. Mehrmals im Jahr kontrolliert er die Felder aller Bauern seiner Kooperative, protokolliert ihre Arbeit und alle Maßnahmen, die sie getroffen haben. Dieses Vorgehen ist Voraussetzung für die Bio-Zertifizierung.

Alle Aktivitäten werden protokolliert
Alle Aktivitäten werden protokolliert

Die Erkenntnisse aus den Kontrollen fließen in die nachfolgenden Schulungen ein. So lernen alle Mitglieder der Kooperative etwas über Saatgut und Schädlingsbekämpfung. Pflanzenpflege, ökologische Zusammenhänge, Düngung und Ernte über die Behandlung der geernteten Feldfrüchte, ihre Vermarktung, Verwendung, Preisgestaltung und über Marktchancen.

Diese Form der Organisation und dieses Vorgehen tragen dazu bei, dass die Ernteerträge steigen und die Bioqualität gewährleistet ist. Die Baumwollerträge liegen bei etwa 450 kg/ha, mit dem Ziel, den Ertrag zu verdoppeln. Junge, ungeschulte Bauern beginnen oft mit nur 200 bis 300 kg/ha.

Bio Baumwollpflanzen vor blauem Himmel
Bio-Baumwollpflanzen vor blauem Himmel

Die Maßnahmen von Schulungen „Feld“ – Beratung, gesicherter Abnahme der Ernte zu angemessenen Preisen bis hin zu fairen und sicheren Vertragsbeziehungen ist nicht nur Ausdruck von Fairness und sozialer Verantwortung. Es deckt sich auch mit unseren Vorstellungen von nachhaltiger Entwicklungszusammenarbeit, denn das Know-How, das die Bauern durch die Schulungen gewinnen, bleibt ihnen, auch wenn die Preise schwanken. Sie schaffen sich damit eine solide Basis für mehr Unabhängigkeit.

Die Schulungen der GADC sind integraler Bestandteil des Projekts
Die Schulungen der GADC sind integraler Bestandteil des Projekts

Zu dieser Zusammenarbeit unter Partnern gehört auch die Regel: „Keine Leistung – kein Lohn“. Auch sie ist Anreiz für die Entwicklung. Um die ökologische Landwirtschaft attraktiv zu machen, zahlt unser Partner Cotonea eine hohe Bio-Prämie auf die Weltmarktpreise. Sie erleichtert den Bauern den Einstieg in biologisches Wirtschaften und motiviert zu guter Arbeit.

Cotonea Geschäftsführer Roland Stelzer im Gespräch mit den Field Officers
Cotonea Geschäftsführer Roland Stelzer im Gespräch mit den Field Officers

Allmählich steigende Hektar-Erträge bei gleichzeitig höheren Verkaufspreisen sind der Lohn dafür, dass erlerntes Wissen konsequent und geduldig umgesetzt wird. So verbessern sich sowohl die wirtschaftliche Situation als auch die Lebenssituation der Bauern.

Solarenergie bringt Licht in das Dunkel der Lehmhütten
Solarenergie bringt Licht in das Dunkel der Lehmhütten

Die von der GADC organisierte Kooperative hat für die Bauern große Vorteile. Sie bekommen kostenloses Saatgut, müssen sich dafür nicht verschulden und geraten in keine Abhängigkeit. Die Farmer führen ein selbstbestimmtes, freies Leben, haben aber trotzdem jederzeit einen Ansprechpartner, der sie fachlich berät.

Von den alten Farmern kann man lernen
Von den alten Farmern kann man lernen

Die Bio-Baumwollfelder von Gulu

Im Gegensatz zu vielen anderen Regionen der Erde ist der ökologische Landbau bereits tief in den Stammestraditionen der Menschen im Norden Ugandas, den Acholi, verankert. Die GADC empfiehlt den Bauern möglichst unterschiedliche Fruchtwechsel-Früchte für den Anbau, so dass – neben Baumwolle – eine große Vielfalt an Feldfrüchten, wie beispielsweise Sesam und Chilli zum Verkauf angeboten werden. Die Vermarktung dieser Früchte ist inzwischen sehr erfolgreich und ist – wie auch die Entwicklung der Bio-Baumwollproduktion – bezogen auf den Weltmarkt eine außergewöhnliche Leistung der GADC. Cotonea hat ganz wesentlich dazu beigetragen.

Biodiversität in Reinform
Biodiversität in Reinform

Die biologische Landwirtschaft berücksichtig natürliche Gesetze und nutzt sie auf vielfache Weise. Pflanzenarten „unterstützen“ sich gegenseitig oder auch nicht. Das Wissen darum, welche Pflanzenarten „miteinander können“, nutzt der Bio-Bauer. Deshalb sind Monokulturen ausgeschlossen.

In den Feldern mit Enrico
In den Feldern mit Enrico

In „guter Pflanzen-Nachbarschaft“ gibt es weniger Schädlinge, und wenn doch, sind – sofern keine Pestizide ausgebracht werden – schnell Nützlinge da, die sie „bekämpfen“. Eingesetzt werden außerdem Opfer und Abschreckpflanzen, Lockfallen und ökologische Spritzmittel.

Organic Cotton Friends
Organic Cotton Friends

Natürliche Dünger statt Kunstdünger

Mischkultur oder Fruchtwechsel (Anbau anderer Feldfrüchte als Baumwolle zeitgleich oder zeitversetzt) sowie das Ausbringen von Mist aus eigener (!) Tierhaltung (Ziegen, Hühner, Enten) erhöht die Zahl der Mikroorganismen im Boden, lockert ihn auf und erhöht seine Fruchtbarkeit. Diese Wirtschaftsweise ist CO2-neutral. Das ist bei der Herstellung von Kunstdünger nicht der Fall.

Enten im Baumwollfeld
Ente im Baumwollfeld

Schutz wertvollen Grundwassers

Alles, was die Bauern auf den Feldern ausbringen (und die Pflanzen nicht aufnehmen können), taucht irgendwann im Grundwasser wieder auf. In erster Linie sind das synthetische Dünger und Spritzmittel. Wer also biologisch düngt und Schädlinge mit biologischen Mitteln in Schach hält, schützt zugleich das Grundwasser.

Ein Schmetterling landet auf der Baumwollpflanze
Ein Schmetterling landet auf der Baumwollpflanze

Verwendung eigenen Saatguts

Natürlich entstandenes Genmaterial ist von großer Vielfalt, die Pflanzen sind sehr widerstands- und anpassungsfähig. In dem Projekt in Uganda bekommen die Bauern ihr Saatgut von der GADC, die es direkt aus der Baumwoll-Entkörnungsmaschine gewinnt und selektiert. Mit diesem Saatgut tragen sie zum Erhalt der Bio-Diversität bei!

Eine blühende Baumwollpflanze
Eine blühende Baumwollpflanze

Es werden weder genmanipulierte noch Hybrid-Sorten verwendet, die die Bauern in einer Spirale der Abhängigkeit von multinationalen Konzernen und in die Verschuldung führen können. Dieses wäre entweder gar nicht keimfähig (genmanipulierte Sorten) oder verliert seine gezüchteten Eigenschaften hoher Erträge nach der ersten Ernte (Hybridsorten).

Das weiße Gold in voller Pracht
Das weiße Gold in voller Pracht

Herzstück der Aktivitäten – Die Ginnerei in Gulu

Das Herzstück der Aktivitäten, das den Bauern den Zugang zum Markt verschafft, ist die alte Ginnerei (d.h. die Entkernungsanlage) in Gulu. Nach vielen Jahren des Kriegs war die Ginnerei stillgelegt und nicht nutzbar. Unter großen finanziellen Anstrengungen wurde sie schließlich im Jahr 2009 von der GADC reaktiviert. Erst das Entkernen der Baumwolle macht es möglich, diese zu Garn und später zu Stoffen und Textilien zu verarbeiten und den Bauern damit Zugang zum Markt für ihr Produkt zu sichern.

Die Coo-Rom Ginnery in Gulu
Die Coo-Rom Ginnery in Gulu

Die im Projekt registrierten Bauern bringen ihre Ernte in sogenannte Sammelstellen, wo die Baumwolle gewogen und das Gewicht protokolliert werden.

Die Baumwolle wird gewogen
Die Baumwolle wird gewogen

Die zentral gesammelte Baumwolle wird schließlich in die Ginnerei transportiert, wo sie entkernt und zu Ballen gepresst wird.

Gesammelt wird die Bio-Baumwolle in die Ginnerei transportiert
Gesammelt wird die Bio-Baumwolle in die Ginnerei transportiert
Mechanisch und bewährt - die Ginnerei in Gulu
Mechanisch und bewährt – die Ginnerei in Gulu
Die Bio-Baumwolle wird entkernt
Die Bio-Baumwolle wird entkernt
Die Arbeiter der Ginnerei
Die Arbeiter der Ginnerei
Auf langen Förderbändern gelangt die Bio-Baumwolle in die Entkernungsanlage
Auf langen Förderbändern gelangt die Bio-Baumwolle in die Entkernungsanlage

Die Ballen werden dann zur Weiterverarbeitung in eine Spinnerei gesendet, wo die Baumwolle zu Garn verarbeitet wird.

Am Ende wird die Bio-Baumwolle zu Ballen gepresst
Am Ende wird die Bio-Baumwolle zu Ballen gepresst

Beim Entkernen werden die Baumwollsamen gesammelt und wieder als Saatgut verwendet. Ein großer Teil der Samen wird zudem zu Baumwollöl weiterverarbeitet und die „Abfälle“ davon dienen als Futter für das Vieh. Ein Zero Waste Kreislauf in Reinform.

Fair Trade Bio Baumwolle und feinste Lebenskleidung Stoffe

Die Ballen werden zu Garnen verarbeitet aus denen feinste Stoffe gestrickt oder gewebt werden. Die hohe Qualität der Bio-Baumwolle, die gänzlich auf natürliche Weise angebaut und mechanisch weiterverarbeitet wird, macht sich auch im finalen Produkt bemerkbar. Wir freuen uns sehr, dass wir Euch ab sofort eine Vielzahl toller Webstoffe anbieten können, die aus eben jener Fair Trade Bio Baumwolle aus Uganda hergestellt wurden.

In den jeweiligen Zusatzinformationen in unserem Shop findet ihr die Information „Herkunft Faser: Uganda“. Diese Stoffe werden allesamt mit der Bio-Baumwolle aus dem Projekt produziert. Nutzt dazu einfach unsere Filternavigation und sucht nach „Herkunft Faser“ = „Uganda“

Die einzelnen neuen Stoffqualitäten stellen wir Euch in Kürze en detail vor.

Hier geht´s direkt zu unserem Lebenskleidung Shop.