Die Oster-Feiertage nutzen und…upcyceln!

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Dass Ostern dem Weihnachtsfest bisweilen fast schon den ersten Rang in puncto wichtiger Familienzusammenkünfte streitig macht, bekommt man Jahr um Jahr zu spüren, wenn es an die Vorbereitungen des Eiersuchens und -versteckens geht. Aber Ostern ist natürlich mehr als nur bunte Eier und goldene Lindt-Häschen! Für die Christen ist es der Höhepunkt und schließlich auch das Ende der Fastenzeit; das Fest gedenkt der Auferstehung Jesu Christi. Verschiedenen regionalen Osterbräuchen wird klassischerweise am Ostersonntag nachgegangen – vom Osterzopf übers Eieranmalen bis hin zur (teils vergeblichen) Suche bunt bemalter Eier.

Drei Tage Kurzurlaub scheinen wie dafür gemacht, ein wenig kreativ zu werden – und dabei nicht nur den Kopf frei zu kriegen, sondern auch noch etwas Gutes zu tun. Upcycling ist nicht nur das große Stichwort der vergangenen Monate, sondern eine Technik, die man ganz wunderbar immer dann anwenden kann, wenn man ein wenig Freizeit hat. Als Lehnwort aus dem Englischen meint es zunächst einmal soviel wie „nach oben wiederverwerten“ und zielt klassischerweise darauf ab, den berühmten Spruch „Aus alt mach neu“ einmal ernst zu nehmen.

Vermeintliche Abfallprodukte werden in neue Produkte verwandelt und aufgewertet, was eine immense Einsparung von Ressourcen mit sich bringt und obendrein Spaß macht. Ein paar alte Hosen können so im Handumdrehen in einen Rucksack verwandelt werden, verschiedene Farben und Formen werden zu neuen Pullovern vernäht und ehe man sich’s versieht, sind ein paar schöne Unikate entstanden.

Das Berliner Label ‚aluc‘ macht vor, wie Upcycling und Trendbewusstsein gut Hand in Hand gehen und auch sonst gilt: Mit wenigen Tipps und Kniffen kann Jede/r mit wenig Aufwand kreativ sein. Überzeugt? Dann nutzt die Osterfeiertage und erzählt uns, was Ihr zuletzt upgecycelt habt oder in naher Zukunft upcyceln möchtet!

Wir wünschen Euch ein wunderbares langes Wochenende!

 

 

 

 

Lebenskleidung stellt vor: Elisa Muresan

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Unsere Woche hier bei Lebenskleidung war wahrlich vollgepackt mit schönen Dingen – zuallererst natürlich dem Launch unserer neuen Kollektion Frühjahr/Sommer 2018! Nichtsdestotrotz haben wir es geschafft, auch in dieser Woche eines unserer Lieblingslabels zu einem kurzen Interview per Mail „zu treffen“ – Zaragoza, Spanien, war für ein persönliches Treffen dann leider doch ein wenig zu weit weg… Miguel Mateo, Co-Founder des spanischen Labels ‚Elisa Muresan, hat uns ein paar brennende Fragen beantwortet, mit denen wir Euch einen guten Start ins Wochenende wünschen!

Hallo Miguel, könntest Du Dich vielleicht kurz vorstellen?

Ich bin Miguel Mateo, Co-Founder und CEO des nachhaltigen Modelabels ‚Elisa Muresan‘ mit Sitz in Zaragoza, Spanien.

Wann wurde das Label gegründet und was hat Dich und Euch dazu angetrieben?

Erste Ideen haben wir 2010 gehabt, die Marke wurde dann schließlich 2012 geboren. Wir wollten und wollen uns der Modewelt widmen, aber im Einklang mit unserer Art zu denken, respektvoll gegenüber der Umwelt und den Tieren.

Wieviele Leute arbeiten aktuell bei Euch, wie wichtig sind Euch große oder kleine Strukturen?

Im Moment arbeiten wir mit drei Leuten. Es kommt darauf an, was wir unter Groß oder Klein verstehen. Wir glauben, dass Strukturen natürlich wichtig sind, sie sollten jedoch nicht zu groß werden, um den Nachhaltigkeitsaspekt nicht zu vernachlässigen.

Verkauft Ihr Eure Sachen hauptsächlich online oder im Geschäft?

Wir verkaufen hauptsächlich in unserem Geschäft in Zaragoza, aber auch online. Der Online-Verkauf, zumindest in Spanien, ist für nachhaltige Mode immer noch sehr kompliziert.

Ich kenne mich mit der nachhaltigen Mode-Szene in Spanien nicht besonders gut aus. Passiert dort gerade eine Menge, bemerkt Ihr einen Umbruch?

Tatsächlich stimmt es, dass insbesondere in den vergangenen zwei bis drei Jahren viel passiert ist! Viele neue Marken und ein generell größeres Interesse für nachhaltige Themen kann man durchaus sehen, obwohl wir glauben, dass es noch immer viel zu tun gibt.

Mit welchen Schwierigkeiten habt Ihr es immer wieder zu tun und wie löst Ihr sie?

Für uns war die größte Schwierigkeit wirklich, Stoffe zu finden. Als wir angefangen haben, war das hier in Spanien leider nicht einfach. Das hat sich inzwischen aber geändert. Es war und ist auch immer noch schwierig, Kunden verständlich zu machen, was nachhaltige Mode wirklich bedeutet; weil es ja darum geht, dass sie ihre Kaufgewohnheiten ändern sollten und dafür eben auch einen fairen Preis zahlen müssen.

Was bedeutet Nachhaltigkeit für Euch – im Job, aber auch privat?

Nachhaltigkeit ist für uns eine Lebensweise, die in allen Bereichen des Lebens, der Mode, der Ernährung, der Körperpflege etc. präsent sein muss …

Es ist ein Gleichgewicht zwischen den Ressourcen, denen, die sie nutzen, und der Fähigkeit des Planeten, diese zu absorbieren und zu regenerieren. Es ist Respekt für alles, was uns umgibt, Natur und Tiere. Sie sind nicht einfach unser Eigentum, aber wir sind ein Ganzes. Menschen sind nicht über diesen Dingen, wir gehören ihnen an.

Wie wichtig sind Netzwerke für Euch? Nehmt Ihr regelmäßig an Roundtables teil oder seid auf Märkten präsent?

Netzwerkstrukturen und kollaborative Partnerschaften sind sehr wichtig, weil sie einzelne Anliegen besser repräsentieren und streuen können. Vielleicht nehmen wir nicht regelmäßig genug daran teil, obwohl wir mehrmals im Jahr bei Vorträgen an Schulen und Universitäten dabei waren. Wir sind nicht sehr regelmäßig auf Messen, da die Besucher nicht direkt unsere Zielgruppe sind und weil sie in der Regel auch außerhalb Spaniens wohnen, würden die Kosten für den Vertrieb etc. sprunghaft ansteigen.

Wie würde die optimale Konsumlandschaft für Euch aussehen?

Es gab und gibt inzwischen ein echtes Bewusstsein für das Problem des unnachhaltigen Konsums. Im Moment haben wir das Gefühl, dass das Bewusstsein, die Dinge anders zu machen, zu wachsen beginnt. Aber noch immer entschuldigt man viel zu viel, wenn es um die individuellen Einkaufsgewohnheiten geht. Viele Leute wollen zu jeder Zeit eine große Vielfalt an Produkten, und die großen Ketten leisten das leider bis dato am besten – und noch dazu zu günstigen Preisen.

Ja, das ist leider sehr wahr – wir sind aber so glücklich, dass Labels wie eures ihr Bestes versuchen, um diese Vielfalt auch in der nachhaltigen Modeszene sichtbar zu machen!

Lebenskleidung stellt vor: Mandy Geddert von CharLe

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Anfang des Jahres haben wir unseren Shop um etwas ergänzt, auf das viele von Euch schon lange gewartet haben – Gummibänder!
Als Gewerbekunden könnt Ihr seitdem Einzieh- und Lochgummibänder in verschiedenen Stärken kaufen. Wir freuen uns über die Neuankömmlinge in unserem Portfolio natürlich sehr und auch Eure Resonanz ist bislang wirklich überwältigend gewesen. Was wir Euch allerdings noch schuldig bleiben, ist ein Porträt Derjenigen, der wir diese tolle Kooperation verdanken. Deswegen haben wir uns vergangene Woche mit Mandy Geddert getroffen und sie ordentlich mit Fragen gelöchert. Aber lest selbst, wer Mandy ist und was sie macht, wenn sie sich nicht gerade mit dem Thema ‚Gummibänder‘ beschäftigt!

Hallo Mandy! Stell Dich doch bitte ganz kurz vor.

Hey, mein Name ist Mandy Geddert. Ich bin 48 Lenze jung, verheiratet, habe zwei Pubertiere zuhause und arbeite in dem oberschönsten Kiez von Berlin, in Oberschöneweide.

Viele kennen Dich vielleicht als Gründerin des Kindermodelabels ‚CharLe‘. Wann hast Du das Label gegründet, was hat Dich angetrieben und mit welchen Schwierigkeiten hast Du vielleicht zu tun gehabt?

Im März 2010 habe ich das nachhaltige Kindermodelabel ‚CharLe – sustainable kids fashion‘ mit dem Ziel, mitwachsende und ästhetisch ansprechende Biokleidung für Kinder zu entwickeln, gegründet.

Warum Kleidung, die mitwächst? Kinder wachsen gerade in den ersten Lebensjahren wahnsinnig schnell. Ständig wird eine weitere Konfektionsgröße benötigt. Das kostet Nerven, Zeit und Geld. Es ist also nur sinnvoll, Kleidungsstücke zu entwickeln, die ein Kind lange tragen und die idealerweise danach noch an ein Geschwisterkind weitergegeben werden kann.

Genau diese Gründe haben mich angefixt, ein eigenes Label zu gründen, weil es das damals, als meine Kinder klein waren, nicht gab. Biokleidung in schönen fröhlichen Farben gab es übrigens auch kaum.  Unsere Kleidung, wir sind heute zu fünft, passt über 2-3 Regelgrößen hinaus. Dabei haben wir berücksichtigt, dass die Materialen, die wir verwenden, entsprechend robust sind.

Die größte Schwierigkeit war es allerdings zur damaligen Zeit, eine Produktionsstätte in Deutschland zu finden. Heute produzieren wir fast ausschließlich im eigenen Haus, in Berlin. Große Stückzahlen lassen wir in Sachsen produzieren.

Worauf legst Du bei Deinen Designs und deren Umsetzung wert?

Die Designs sollen zum Einen kindgerecht und zum Anderen ästhetisch ansprechend sein. Da wir keine gemusterten Stoffe verwenden, liegt die größte Herausforderung tatsächlich in der Gestaltung der Designs und in der Kombination verschiedener Farben, damit sich auch Kinder von unseren Kleidungsstücken angesprochen fühlen. Über Prints und Muster erreichst du Kinder eigentlich sehr viel schneller. Wir müssen dann immer ’ne Schippe mehr Kreativität drauflegen. 😉
Wir verarbeiten auch immer ein bisschen Nostalgie anderer Jahrhunderte in unseren Designs. Einfach, weil wir es schön finden.

Bei der Umsetzung achten wir ganz klar auf die Vermeidung von Abfall. Das heißt, dass dieser Aspekt bereits in der Schnittkonstruktion Berücksichtigung findet. Ein paar Stoffreste lassen sich aber dennoch leider nicht vermeiden. Aus ihnen nähen wir Puppenkleidung, kleine Bälle und Deko-Accessoires. Oder wir spenden Reste an Kitas, die damit basteln. Im Grunde haben wir so gut wie keine Abfälle für die Tonne.

Mit welchen Schwierigkeiten habt ihr immer wieder zu kämpfen und – etwas optimistischer gefragt – wie löst ihr sie?

Diese Frage ist für mich die am schwierigsten zu beantwortende. Vor einigen Jahren hätte ich noch geschrieben, dass es schwer ist, geeignete Materialien für mein Business, wie biologische Stoffe und Zutaten zu finden. Das ist aber heute nicht mehr so frustrierend. Als lähmend empfinde ich häufig jedoch die Bürokratie und Gesetze in Deutschland.

Es ist tatsächlich auch schwierig, gute Mitarbeiter zu finden, die handwerklich begabt und neugierig sind, die Lust haben etwas gemeinsam aufzubauen, Problemstellungen nicht als abschreckend empfinden, sondern als Herausforderung und Spaß an der Entwicklung und Herstellung von Kinderbekleidung haben. Ich habe lange suchen müssen bis ich mein jetziges ganz wunderbares Team gefunden habe. Mit allem anderen sehe ich es eher sportlich: Was es nicht gibt, nehme ich selbst in Angriff, wenn es mir wichtig ist.

 

Was bedeutet Nachhaltigkeit für Dich: im Beruf, aber auch privat?

Bewusst leben und konsumieren. Ich überlege immer, ob ich etwas tatsächlich brauche oder nicht – im Beruf und auch privat. Ich repariere viel. Ökostrom, biologische Reinigungsmittel, nachhaltige Büromaterialien, regionale Lebensmittel  etc. sind Standard.

Wir versenden unsere Kleidung klimaneutral in recycelten oder gebrauchten Kartonagen und lassen unsere Kataloge und Werbematerialien in der Region so ökologisch wie möglich drucken. Unsere Kunden können bei uns einen leckeren Kaffee oder ein Biobräuschen trinken, wenn sie wollen.

Welches Verkehrsmittel ich nutze oder ob ich zu Fuß gehe bzw. das Rad nehme, entscheiden in der Regel der Zeitfaktor, das Wetter und die Entfernung. Nachhaltigkeit in allen Bereichen des Lebens ist für mich keine leere Worthülse!

Seit einer Weile bietest Du über Deine Seite auch zertifizierte Gummibänder an. Unsere Kunden freut das total! Was genau hat zu dieser Entscheidung geführt?

Die Suche nach einer ökologischen Variante zu dem konventionellen Gummiband, das wir in unsere Kinderbekleidung einsetzten, war erfolglos. Es gab vor ca. sieben Jahren nur Gummibänder nach dem Ökotex-Standard. Das hat mich nicht überzeugt. Und so machte ich mich auf die Suche nach einem Spezialisten mit Pioniergeist und wurde in Österreich fündig.

Allerdings hat es mich ein Jahr Überredungskunst gekostet, bis der Weber dieses Abenteuer mit mir gemeinsam gehen wollte. Warum? Er selbst hatte Jahrzehnte zuvor seine Produktion auf konventionelle Bänder umgestellt, um auf dem globalen Bändermarkt noch mitspielen zu können. Da er aber über das Wissen  verfügt, wie aus Naturmaterialien Bänder hergestellt werden bzw. worauf es dabei zu achten gilt, war er doch irgendwann von meiner Idee, es zumindest zu versuchen, überzeugt. Weihnachten des Jahres 2012 hielt ich dann das erste echte Biogummiband in seiner ganzen Schönheit in meinen Händen!

Wie sähe für Dich die ideale Mode-, aber auch Konsumlandschaft aus? Welche Formen des Austauschs hältst Du für sinnvoll und wichtig, um nachhaltige Mode(produktion) zu einer Angelegenheit zu machen, die irgendwann vielleicht doch nicht mehr nur eine Minderheit drängend empfindet?

Weniger statt mehr. Qualität vor Quantität. Individuelles Handwerk statt industrielle Massenproduktion. Regionalität. Wertschätzung. Mehr miteinander. Synergien nutzen. Verantwortungsvolles Handeln. Nächstenliebe. Akzeptanz. Ehrlichkeit. Offenheit. Bescheidenheit. Erfüllung.

Ich könnte an dieser Stelle auch weit ausholen und in vollständigen Sätzen antworten. Ich habe mich aber bewusst für die Kurzfassung entschieden, die mehr Raum für eigene Gedanken zulässt. Das letzte Substantiv ist schon eher ein Ergebnis des vorangegangenen.

Vielen Dank für dieses informative und vor allem inspirierende Interview…
… und Dir und Euch allen ein schönes und erholsames Wochenende!