Lebenskleidung stellt vor: Elke Fiebig von STILL garments

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In dieser Woche möchten wir Dir ein Label vorstellen, das uns jetzt schon ans Herz gewachsen ist. STILL garments steht für Zero Waste und Nachhaltigkeit, aber auch für zurückgenommene, schlichte Designs, die gerade durch ihre Simplizität ins Auge fallen. Im Lebenskleidung-Interview spricht Elke Fiebig, Gründerin des Labels, über ihren Werdegang, darüber, was Nachhaltigkeit für sie und ihr Label bedeutet – und über ihr neuestes Projekt, das mit Pflanzen und Farben zu tun hat.

Lebenskleidung:
Du bist Designerin, hast an der Kunsthochschule Weißensee studiert. Wurden nachhaltige Themen im Rahmen Deines Studiums in irgendeiner Weise behandelt oder hat sich Dein Interesse unabhängig davon entwickelt?

Elke Fiebig: Gute Frage! Eigentlich war das Interesse daran schon viel früher da, es geriet zu Beginn des Studiums bei all der Aufregung etwas in den Hintergrund. In den letzten Projekten vor dem Abschluss ging ich das Thema Nachhaltigkeit dann aber auf verschiedene Weisen an. Tatsächlich unabhängig von Dozenten oder Kursen, das lag aber auch daran, dass ich während des Projekts „GreenLab“, bei dem es genau darum ging, im Auslandssemester war. Ich hätte mir aber schon gewünscht, dass es dazu noch mehr Input gegeben hätte.

Lebenskleidung: Du hast mit STILL garments Deine eigene Modelinie. Kannst Du uns kurz erzählen wie dieses Projekt entstanden ist und worauf es Dir dabei besonders ankommt?

Elke Fiebig: STILL garments ging aus einem sehr spannenden Projekt hervor: Als Teil von Local International (eine Initiative des Goethe-Instituts, der UdK und der KHB) war ich 2014 in Bangladesch, lernte verschiedene deutsche und bengalische Designer_innen, Initiativen, Textiltraditionen kennen und besuchte auch eine riiiesengroße Produktionsstätte in Dhaka. Mit deren end-of-roll-Resten von Herrenhemden entstand, zurück in Berlin, die allererste STILL garments Edition. Ich wollte wie in meinen vorherigen Projekten Zero-Waste-Schnitte entwickeln und letztlich ist es ein ziemlich verrücktes Puzzle geworden und ich habe zwei Tage gebraucht, musste nach all der Arbeit der Schnittentwicklung nochmal einige Schnitte ändern, als ich das endgültige Schnittbild am Computer festgelegt habe…

Bei STILL garments geht es mir darum, nicht kurzlebige Mode, sondern wirklich „garments“, also Kleidungsstücke zu erarbeiten, durchdacht, besonders, mit einer eigenen Handschrift. Alle Schnitte sind Zero Waste, Stoffe und Zutaten entweder „vintage“ oder ökologisch und sozial verträglich eingekauft, es gibt viele handgearbeitete Details… Und oft auch von mir pflanzlich gefärbt. Anfang des Jahres wurde ich mit einer „Designresidenz“ unterstützt, da habe ich endlich erarbeitet, wie ich mit diesen Farben auch drucken und malen kann, das wird auf jeden Fall noch wichtig bei STILL garments, denn ich liebe simple Muster.

collage_kollektionLebenskleidung: Was bedeutet Nachhaltigkeit ganz konkret bei STILL garments oder auch für Dich persönlich?

Elke Fiebig: Für mich ist das wichtigste an Nachhaltigkeit: Ganzheitlichkeit! Den Prozess, das Produkt, oder was auch immer, nicht nur von einer Seite, sondern in allen Etappen betrachten. Letztlich gibt es verschiedene Lösungen und man muss für sich eine Entscheidung treffen, die später vielleicht auch revidiert wird, aber diese Gedanken, die müssen passieren. Um etwas konkreter zu werden: Für mich persönlich bedeutet es, Langsamkeit zu erlauben, sich scheinbaren Zwängen entziehen… Nicht „Nach mir die Sintflut“, sondern Verantwortung zu übernehmen.

Lebenskleidung: Wie kaufst Du selbst Mode ein? Trägst Du Deine eigenen Sachen, welche Ansprüche hast Du an die Kleidung, die Du trägst?

Elke Fiebig: Der Großteil meiner Garderobe ist entweder second hand, getauscht, oder Probeteile meiner Kollektionen. Mein erster großer Kauf seit längerer Zeit war jetzt eine Nudie Jeans, um mal wieder eine Hose zu haben, die ich nicht nach jedem Mal tragen flicken muss… Das ist auch vielleicht mein wichtigster Anspruch: Ich möchte die Sachen lange haben! Und sie dürfen gerne ein besonderes Detail haben. Wenn ich kaufe, dann möglichst überlegt, um nicht versehentlich im Kaufrausch das Falsche zu erwischen. Was übrigens den Ausschlag zur Nudie Jeans gab: Ich freue mich jetzt schon darauf, wenn die unvermeidlichen Löcher kommen, nicht die schönen, sondern die, die das Ende bedeuten, um damit zum Nudie Repair Shop zu gehen!

Lebenskleidung: Wie siehst Du die aktuelle Entwicklung in der Modewelt? Gibt es eine Entwicklung in Richtung mehr Nachhaltigkeit? Wo gibt es dringend Nachholbedarf?

Elke Fiebig: Also ich denke schon, dass Nachhaltigkeit in der Mode ein zunehmend wichtiges Thema wird und endlich auch verstärkt die Kreislauffähigkeit oder Circular Design. Aber wenn man sich die Zahlen ansieht, ist es immer noch ein Nischenthema. Und da sehe ich den Nachholbedarf, auch wenn es vielleicht eher ein Schrumpfbedarf ist: Möglicherweise fehlt mir da Fantasie, aber so unfassbar viele Klamotten, wie gerade produziert und auch entsorgt werden… Das geht nur, weil natürliche Ressourcen und Menschen ausgebeutet werden, und die tatsächlichen Kosten auf die Schwächsten der globalen Gesellschaft und zukünftige Erdbewohner abgewälzt werden. Ich glaube nicht, dass sich dieses Level „in nachhaltig“ halten ließe. Da müssen dann auch Konsumgewohnheiten thematisiert werden. Wenn es nur nicht so schwer wäre, sich diese Ausmaße vorzustellen, das passiert ja alles außerhalb unserer Sichtfelder, sowohl die Produktion als auch die Entsorgung. Aber „der Konsument“ soll jetzt nicht den schwarzen Peter bekommen, staatliche und internationale Regulierung menschenverachtender und umweltschädlicher Wirtschaftsaktivitäten lassen auf jeden Fall auch Wünsche offen. Du merkst, es fällt mir schwer, mich kurzzufassen bei diesem Thema…

collage_faerbenLebenskleidung: Du gibst in Kürze einen Workshop zum pflanzlichen Färben. Wie bist Du darauf gekommen und wie ist bislang die Resonanz?

Elke Fiebig: Eine Textildesignerin, Nanna Aspholm-Flik, fragte mich 2014, ob ich nicht irgendwann in ihrem Atelier solche Workshops geben wolle. Ich glaube, sie hat mich erst auf die Idee gebracht, auch wenn unsere Kooperation jetzt erst im April 2017 ansteht. Ich arbeite an STILL garments weitestgehend allein und genieße es, in diesen Workshops ein ganz anderes Arbeiten zu erleben. Es macht mir Spaß, anderen etwas beibringen zu dürfen. Und ich finde es einfach unendlich wichtig, dass wir alle wieder mehr Bezug zu unserer materiellen Kultur haben, verstehen, wie Dinge gemacht werden, vielleicht mal etwas reparieren können, Arbeit wertschätzen. Und auch die Natur wieder anders sehen. Selbst in Berlin halte ich immer die Augen offen nach potentiellen Färbepflanzen, beobachte die Jahreszeiten und habe schon so viel gelernt bei meinen Versuchen. Das fühlt sich einfach richtig an. Den Teilnehmenden hat es bisher allen gut gefallen, auch wenn nur ein Teil zu Hause damit weiterexperimentieren möchte. Besonders toll finde ich auch Workshops mit Kindern, von denen manche innerhalb eines Workshops ganz schnell eine eigene systematische Herangehensweise entwickelten, um gezielt möglichst viel zu entdecken, und am zweiten Tag noch diverse Pflanzen aus dem elterlichen Garten mitbrachten. Das war wirklich großartig!

Großartig ist übrigens auch die Tatsache, dass Elke am Sonntag, dem 11. Dezember 2016, zum Workshop „Experimentell pflanzlich färben“ einlädt. Stattfinden wird das Ganze in der Schivelbeiner Straße 23 in Prenzlauer Berg und los geht es zur perfekten Tee- und Keks-Zeit um 18h30. Für einen Beitrag von 40 Euro kannst Du lernen, wie man mit heimischen Pflanzen kinderleicht Stoffe färben kann und weil Weihnachten so gut wie vor der Tür steht, wird jede/r Teilnehmer/in mit einem selbstgefärbten Schal heimgehen! Für weitere Fragen und zur Anmeldung schreibst Du bitte an contact@stillgarments.com!

Der Lebenskleidung Geschenk-Tipp: Fashion Made Fair

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Mode-Bücher gibt es viele, Bücher über Nachhaltigkeit auch. Und dennoch ist bislang kaum ein Band erschienen, der beide Dinge auf eine Weise zusammenführt, die in erster Linie eines ist: modisch.

Magdalena Schaffrin und Ellen Köhrer haben im Frühjahr diesen Jahres mit „Fashion Made Fair“ den Sprung ins zumindest noch lauwarme Wasser gewagt und im Prestel-Verlag ein Buch veröffentlicht, das sich im besten Sinne des Wortes sehen lassen kann.

Schaffrin, ihres Zeichens Modedesignerin, arbeitet seit vielen Jahren ausschließlich mit Materialien, deren Herkunft sie kennt und die nach strengen ökologischen und sozialen Kriterien angebaut und verarbeitet werden. „Eco-Deluxe“ nennt sie das auf ihrer eigenen Seite, und Luxus bedeutet hier natürlich nicht nur, sich etwas leisten zu können, sondern es sich auch leisten zu wollen. Qualität beginnt bei zeitlosen, nachhaltigen Designs und endet im Einsatz nachwachsender Materialien. Schaffrin ist außerdem eine der Gründerinnen des Greenshowrooms, die die erste grüne Luxusmodemesse der Berliner Fashion Week ist. Köhrer ist Journalistin, Bloggerin und Reporterin und lebt ebenso wie Schaffrin in Berlin. Sie leitet den Blog „Grün ist das neue Schwarz“, auf dem sich alles um faire, ökologische Mode dreht.

Mit dem Wissen um die Dringlichkeit, grüne Mode zu etwas zu machen, das sich nicht in die klischeehafte Ecke abgestellt fühlt, in der sich Birkenstocks und Leinenkutten tummeln, haben sie ihr Wissen, ihre Ambitionen und ihre Leidenschaft zusammengetragen und mit „Fashion Made Fair“ einen klassisch-schönen Mode-Bildband herausgegeben. Er versammelt 33 Modemarken aus Europa, Neuseeland, Bangladesch und den USA, die auf innovative Art und Weisen dazu beitragen, das die Welt der High Fashion transparenter und nachhaltiger wird, ohne ihre modische Aktualität und Eleganz zu verlieren.

collage_magdalenaDa ist beispielsweise Bruno Pieters, der von einem Atelier in Antwerpen aus die schlichten Stücke seiner Marke „Honest By“ vertreibt. Alle Kollektionen bestehen aus zertifizierten Rohstoffen, für Pieters selbst ist bedingungslose Transparenz der wichtigste Ansatz zu einer Verbesserung des Status Quo.

Dass Transparenz nicht immer teuer sein muss, zeigt Gosia Piatek mit ihrem Label „Kowtow“, das in Neuseeland beheimatet ist und schlichte, lässige Damenmode zu kleinen Preisen machen möchte. Ihre Kollektionen verkauft die gebürtige Polin inzwischen nach Asien, Australien, in die USA und nach Europa.

Auch die großartige Vivienne Westwood findet sich in Köhrers und Schaffrins Buch. Bekannt geworden durch die Punk-Mode der 70er Jahre, sind nachhaltige Themen für die berühmte Designerin aus England inzwischen eine Herzensangelegenheit. Seit mehr als sechs Jahren arbeitet sie mit der Ethical Fashion Initiative des International Trade Centre zusammen, lässt Taschen in Kenia in Handarbeit produzieren und damit dortige Strukturen fördern und angemessen entlohnen.

„Buy less, choose well, make it last“ hat Westwood vor einigen Jahren gesagt – ein Credo, das sich ruhig durchsetzen darf. Und bei unbändiger Lust auf ein neues Lieblingsstück kann man sich bei Tee und Kuchen in Schaffrins und Köhrers Buch Inspiration holen.

EIN PS IN EIGENER SACHE: IN ZUSAMMENARBEIT MIT STUDENTEN DER SCHULE FÜR NACHHALTIGE ENTWICKLUNG EBERSWALDE HABEN WIR EINE KURZE UMFRAGE ENTWICKELT, DURCH DIE WIR UNSERE QUALITÄT UND UNSEREN SERVICE VERBESSERN WOLLEN. BEI TEILNAHME WINKT EIN KLEINES DANKESCHÖN!  >>>HIER GEHT ES ZUR UMFRAGE.<<<

Winteroutfits created mit Lebenskleidung Stoffen

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Vor einigen Wochen haben wir den Blog von Schneidernmeistern schon einmal kurz erwähnt – da ging es um die Umsetzung von Tatiana Fydrichs Schnittmuster „Else“, das erstaunlich einfach und dabei unglaublich vielseitig ist.

Als Gegenstück zur Else entwickelte sie pünktlich zum Herbst- und Wintereinfall „Karl“ – ein Jerseykleid, das so kuschlig ist, dass man damit ohne Probleme durch die kalte Jahreszeit kommt.

Die nötige Inspiration für das Kleid hat Monika alias Schneidernmeistern von einer der ganz Großen bekommen: Coco Chanel. Diese hatte 1921 ihr berühmtes „deux pièces“ vorgestellt; ein lässiges Kostüm, das ähnlich wie das von ihr einige Jahre früher entworfene Jerseykleid die Modewelt der Zeit revolutionierte. Beide Stücke sind unkonventionell, légère und stehen für das, was Chanel selbst „Easy Elegance“ taufte. Mit diesem Anspruch im Hinterkopf erfand Schneidernmeistern mit „Karl“ ein Schnittmuster, das ebenso wie die Else extrem simpel ist, aber natürlich beliebig abgewandelt werden kann. Der ursprüngliche Entwurf ist schlicht, leicht oversized und hat praktischerweise einen Rollkragen sowie Taschen, dank derer man die Handtasche auch einmal daheim lassen kann.

Karl und Else kombiniert - ein perfektes Match
Karl und Else kombiniert – ein perfektes Match

Wie immer, wenn es ums Umsetzen kreativer Ideen geht, haben wir von Lebenskleidung gern Unterstützung geleistet – natürlich mit nachhaltigem Stoff. Für Monikas erste Version ihres Karls haben wir ihr unseren schönen Fleece in Dunkelgrau meliert geschickt, an dem sie eine kleine Abwandlung vorgenommen hat. Entstanden ist ein kuscheliger, übergroßer Pullover mit hohem Rollkragen, der Dich garantiert rundum warm hält und sich übrigens auch prima über der Else tragen lässt.

Für eine zweite Version von Karl haben wir unsere tolle neue Interlock Rippe in Schwarz zur Verfügung gestellt, die offenbar für große Begeisterung sorgen konnte – darüber freuen wir uns natürlich sehr. Durch sein Gewicht und die breiteren Rippen umspielt er den Körper zwar, wird aber nicht zu aufdringlich. Perfekt also für die kältere Jahreszeit, wo er sich wie ein Kokon um Dich legt!