CUCULA – unser Weihnachtsgeschenk

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Das Jahr ist fast schon wieder vorbei. Weihnachten leuchtet und strahlt aus den Fenstern. Es wird zurück geblickt. Und nach vorne geschaut. Anstatt eines kleinen Weihnachtsgeschenkes für den Einzelnen haben wir uns gedacht wir machen es dieses Jahr anders und spenden den Betrag. Ein Thema, das nicht neu ist, aber auch dieses Jahr allgegenwärtig war, ist die Situation der Flüchtlinge. Hier in Berlin, genauer in Kreuzberg, wo sich unser Büro befindet, wurde es zum Alltag. Ein Camp auf dem Oranienplatz, auf dem Menschen fast zwei Winter verbracht haben und später auf dem Dach einer Schule: Es wurde und wird dafür gekämpft, bleiben zu dürfen. Frei zu sein. Sicher zu sein. Mensch zu sein. Für viele etwas selbstverständliches, jedoch nicht für alle. Wie lässt sich das ändern? Eine wirklich nicht leicht zu beantwortende Frage. Dann haben wir von Cucula und ihrer Crowdfunding Kampagne gehört und dachten: Das ist gut. Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Cucula wollen wir unterstützen. Das heißt konkret, dass alles, was wir für Weihnachtskarten ausgegeben hätten, in diesem Jahr an Cucula gespendet wird. Wir hoffen Ihr seid d’accord!

Ich habe dem Cucula-Team ein paar Fragen gestellt. Für weitere Infos schaut auch auf www.cucula.org vorbei!

Stellt Euch doch mal kurz vor. Wer arbeitet mit wem?
Unser Team besteht aus Flüchtlingen und Nicht-Flüchtlingen. Wir streben einen lebendigen Produktionsraum für Austausch, Bildung und Arbeit an. Ali Maiga Moussa Saidou und Malik kommen aus Niger und Mali und werden bei erfolgreichem Crowdfunding die Möglichkeit haben, bei CUCULA eine Ausbildung anzufangen.

Maiga, Moussa, Ali, Saidou und Malik sind von Stunde Null an dabei und sind Trainees bei CUCULA.

Barbara Meyer – Direktorin der Schlesischen 27, Sebastian Däschle – Designer, Jessy Mederenach – Sozialpädagogin und Corinna Sy – Designerin sind die Gründer von CUCULA.

In sehr enger Zusammenarbeit gestalten und formulieren wir das Modell CUCULA auf vielen Ebenen.

Wie sieht ein typischer Tag bei Euch aus?

Einen typischen Tag zu verfolgen ist seit Anbeginn eine Herausforderung für uns.

Zum einen verändert sich bei uns alles dauernd, da wir uns noch im ständigen Entwicklungsprozess befinden und wir uns an viele Einflüsse anpassen müssen – die Hälfte des Teams hat den Status eines Flüchtlings und somit keine geregelten Strukturen, wie wir sie gewohnt sind. Zum anderen befinden wir uns im Prozess der Erprobung eines Modells und müssen viele Dinge erstmal herausfinden und uns dann entsprechend anpassen – das bezieht sich auf Themen wie Ausländerrecht, Steuerrecht, Bildungsprogramm, Produktionsabläufe usw.

Grundsätzlich gibt es einen festen Wochenplan: Montag bis Mittwoch ist Werkstatt von 09:00 bis 13:00 Uhr angesagt, danach gibt es am Nachmittag und am Donnerstag Deutsch- und Schulunterricht, Freitags finden immer Kreativworkshops (aktuell in Kooperation mit der Philharmonie) und Ausflüge statt.

Einer unserer untypischen Tage könnte beispielsweise so aussehen:

08:30 Uhr in der Werkstatt frühstücken und den Tag besprechen, bis mittags baut jeder an seinem eigenen Möbelstück, ab 14:00 Uhr findet Deutschunterricht statt, zwischendurch gibt es immer wieder Treffen mit dem Orga-Team, wo wir Probleme, Fragen und Vorgehen für den jeweiligen Bereich diskutieren und klären. Oft sitzen wir bis spät in den Abend und besprechen, spinnen und brüten aus.

Gedanken

Was bedeutet Fairness für Euch?

Fairness bedeutet für uns, dass alle Menschen die Möglichkeit bekommen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, unabhängig von ihrer Herkunft oder Nationalität.

Fairness bedeutet Verantwortung zu übernehmen.

„Kreativität und Integration“, ist das eine Formel, die aufgeht?

Ob das aufgeht, wird in unserem Fall die nähere Zukunft zeigen. Wir glauben aber daran, dass wir mit den Herausforderungen, die auf uns Alle zukommen, nur mit Kreativität, Hilfe zur Selbstwirksamkeit und Mut zum Handeln reagieren können.

Wir glauben vielmehr an eine Form der Inklusion, bei der Unterschiedlichkeit als selbstverständlich betrachtet wird und sich diese Selbstverständlichkeit auf alle Bereiche bezieht.

Letztendlich verstehen wir CUCULA als einen Möglichkeitsraum, in dem vieles zusammen kommt und viel Neues entstehen soll. In erster Linie soll es Möglichkeiten und Perspektiven für Flüchtlinge schaffen. Über den Verein möchten wir den Austausch und den Möglichkeitsraum erweitern und viele kreative Überlegungen und Konzepte in konkrete Maßnahmen und Taten umsetzen.

Für das Modell CUCULA–Company funktioniert es so, dass durch die Fertigung bekannter Designobjekte durch Menschen mit Flüchtlingshintergrund ein sozial-politisches Thema im Kontext des Design integriert und eine neue Form eines nachhaltigen „Konsums“ etabliert werden soll.

Kreativität heißt ja im weitesten Sinne etwas Neues zu schöpfen, etwas zu erzeugen, zu erfinden, herzustellen, wachsen zu lassen und lösungsorientiert zu denken. Unser Anliegen ist es, Bestehendes neu zu denken und zu hinterfragen und aus dieser Auseinandersetzung etwas Neues zu erdenken und Neues zu formulieren. In kreativen Prozessen und Bereichen entsteht nun mal vieles durch das Verknüpfen verschiedener Sachverhalte – und das möchten wir bei und durch CUCULA machen und neue Lösungsansätze in Hinblick auf die Flüchtlingspolitik formulieren und erproben.

Was können wir von Euch lernen?

Das ist eine schwierige Frage … vielleicht könnt Ihr sie für uns beantworten?

Das von sich selber zu sagen ist schwierig. Aber vielleicht eines unser größten Learnings: Dass dann, wenn man etwas anpackt, sich Lösungen ergeben.

Material und Mensch
Wie geht Ihr mit Ressourcen um?

Wir benutzen Holz aus der Region und Wissen und Kultur aus der ganzen Welt. Wir müssen endlich erkennen, dass Zuwanderung keine Gefahr, sondern eine Chance darstellt. Unsere wertvollste Ressource sind die vielen ehrenamtlichen Unterstützer von CUCULA – ohne den unglaublichen Einsatz von so vielen engagierten Menschen wären wir an einem ganz anderen Punkt. Und das ist das Tolle an dem Projekt! Nur durch das Mitwirken und den Einsatz Vieler ist CUCULA möglich und dadurch auch umso stärker. Es ist sehr beeindruckend zu merken, wieviele Leute an der jetzigen Situation etwas verändern möchten.

Aus diesem Grund wollten wir das Geld für die Ausbildungsstipendien über Crowdfunding finanzieren.

Ihr arbeitet hauptsächlich mit Holz. Wie wichtig sind natürliche Materialien für den Menschen?

Das muss jeder für sich entscheiden. Für uns ist es sehr wichtig mit natürlichen Materialien zu arbeiten. Die Natur ist unsere unersetzbare Lebensgrundlage.

Ein Teil der Objekte, die Ihr fertigt, entsteht aus Erinnerung, denn Ihr arbeitet mit Holz der Schiffe der Überfahrten. Sind das Ausstellungsstücke oder Gebrauchsgegenstände?

Auch das muss jeder für sich entscheiden – den Gebrauch der Möbel möchten wir dem Besitzer selbst überlassen. Dazu gibt es ganz unterschiedliche Meinungen: Manche möchten sie gerade als normalen Gebrauchsgegenstand benutzen und die Geschichten auch in Kindermöbeln versehen. Andere können sich nicht vorstellen, auf den Möbeln zu sitzen und andere möchten den Stuhl einfach nur besitzen und andere wiederum würden am liebsten ganze Gebäude damit ausstatten um die Botschaft laut zu verkünden.

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Für uns sind die Möbel in erster Linie Botschafter – Botschafter von Geschichten, für Flüchtlinge, von Persönlichkeiten, Botschafter für Perspektiven, für Tragödie, für Missstände, für neue Wege und Zukunft.

Die Idee, das Holz der Schiffe zu verwenden, hat eine sehr kontroverse Diskussion über einen langen Zeitraum ausgelöst. Letztendlich ermöglicht das Material, etwas zu erzählen und sich seiner eigenen Geschichte zu bemächtigen und sich über den Verkauf neue Perspektiven schaffen zu können. Die Möbel funktionieren zum einen als Botschafter für eigene Geschichten und als Botschafter für ein Modell. Die Möbel sollen aktivieren, anregen und wirken. Ob der einzelne Sie dann benutzt oder Museal aufstellt ist ihm freigestellt.

Design by Enzo Mari – Made by refugees.

Perspektive

Wie kann man Euch unterstützen?

Bis 01.01.2015 läuft auf www.startnext.de/cucula ein Crowdfunding mit dem Ziel, 70 000 € zu erreichen. Mit diesen 70 000 € können wir 5 Ausbildungsstipendien für Ali, Maiga, Moussa, Saidou und Malik fianzieren und damit einen legalen Aufenthalt erwirken. Der Erfolg wird auch über die Zukunft unseres Modells mit entscheiden.

Man kann uns durch die Beteiligung am Crowdfunding, durch Kauf oder Spenden unterstützen und man kann uns auch dabei helfen, CUCULA in die Welt zu tragen.

[vimeo http://vimeo.com/112799748]

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