Gisela Burkhardt

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Dr. Gisela Burckhardt

Aus: Bonn

Arbeitet bei: Femnet und für die Kampagne für Saubere Arbeit

Wünscht Sich: Ökofaire Mode raus aus der Nische!

 

Stell Dich doch mal kurz vor.

Ich war viele Jahre in der Entwicklungszusammenarbeit als freie entwicklungspolitische Gutachterin tätig. Längere Auslandaufenthalte in Nicaragua (1981-84) für das United Nations Development Programme (UNDP), Pakistan (1985-86) im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) und Äthiopien (1999-2001) für das Institut für Internationale Zusammenarbeit des Deutschen Volkshochschul-Verbands (IIZ/DVV). Seit über 20 Jahren zahlreiche kurzfristige Aufenthalte als entwicklungspolitische Gutachterin in vielen Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas.

Seit 2001 bin ich aktiv bei der Kampagne für Saubere Kleidung (Clean Clothes Campaign=CCC), seit 2011 Vorstandvorsitzende von FEMNET e.V. und Vertreterin von FEMNET bei der Kampagne für Saubere Kleidung.

Besuche von Textilfabriken in Bangladesch, Vietnam, China, Türkei und Rumänien

Letzter Besuch in Bangladesch im Februar 2014

Wie sieht ein typischer Tag bei Dir aus?

Viel Arbeit am Mac, viele Anrufe täglich, Interviews an Presse zu bestimmten Zeiten, wenn wir eine Kampagne bei der CCC haben. Meistens komme ich erst abends zu grundsätzlichen Dingen wie Artikel schreiben, Aufsätze redigieren, Planungen machen…

Gedanken

Was bedeutet Nachhaltigkeit für Dich beruflich und persönlich?

Ich trenne oft nicht zwischen Beruflichem und Privatem. Nachhaltig arbeiten und leben gehören für mich zusammen. Ich habe mir ein Fairphone zugelegt, bin aber in vielen anderen Bereichen noch nicht sehr konsequent. Ich fahre sehr gern mit dem Zug, nehme aber auch das Flugzeug, wenn die Entfernung zu weit ist. Besonders ärgert mich, dass ein Flug sogar billiger kommt als eine Zugfahrt, selbst mit Bahncard50, wenn ich eine Übernachtung einberechnen muss. Wenn die Rahmenbedingungen wie Besteuerung des Flugbenzins u.ä. von der Regierung nicht verordnet, also faktisch falsche Anreize gesetzt werden, ist individuelles Verhalten eben leider nur bedingt wirksam.

Ich bemühe mich, im Bioladen die meisten Produkte zu kaufen, gehe aber auch zum Kaiser’s um die Ecke, vermeide allerdings bewusst Discounter. Bei Kleidung habe ich es mir zur Pflicht gemacht, nur noch faire Klamotten oder Secondhandware zu kaufen. Auf meine Familie färbt das erfreulicherweise ab.

Hast Du Tipps zu Standards, Labels, Shops?

Klar, die stehen bei uns auf der FEMNET Webseite unter „Welchem Textilsiegel kann ich trauen?“ GOTS, Fairtrade cotton, FWF. Bzgl. Geschäfte verweisen wir auf die Webseite www.gruenemode.org und auf Get Changed!.

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In Bonn haben wir im letzten Jahr eine Befragung von über 260 Bekleidungsgeschäften durchgeführt und mit Erstaunen festgestellt, dass 56 Geschäfte vereinzelt öko-faire Marken führen. Die Ergebnisse unserer Befragung haben wir als öko-fairen Einkaufsführer „fair,fair,fair sind alle meine Kleider“ herausgebraucht, der sich großer Nachfrage in Bonn und Umgebung erfreut.

Todschick

(Anm. der Red.: Vor kurzem hat Gisela Burkhardt Ihr neues Buch „Todschick – Edle Labels, billige Mode – unmenschlich produziert“ veröffentlicht. Die Autorin wirft einen umfangreichen Blick auf die Textilindustrie nach Rana Plaze und zeigt auf, dass teure Markenmode nicht unter besseren Bedingungen produziert wird als billige)

Was wünschst Du Dir im Bezug auf Mode?

Ich wünsche mir, dass öko-faire Marken aus der Nische herauskommen und so nachgefragt werden, dass vor allem junge Menschen es chic finden, sich so zu kleiden. Das würde dazu führen, dass die Frauen, die unsere Kleidung spinnen und nähen, würdige Arbeitsplätze hätten und fair bezahlt würden.

Hast Du ein textiles Objekt, das Dich schon lange begleitet und das Du nicht hergeben wirst?

Nein

Wann bist Du glücklich?

Bei einem Glas Wein mit Mann und Kindern, aber auch wenn eine Kampagne erfolgreich ist und der Druck auf die Konzerne dazu führt, dass sich Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern wie Bangladesch verbessern. Ein erster Schritt dahin ist z.B. das Brand- und Gebäudeschutzabkommen in Bangladesch, das über 170 Unternehmen unterschrieben haben und wonach jetzt an die 1600 Fabriken in Bangladesch auf Statik, Feuerschutz und Brandschutz hin überprüft werden.

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