Natascha und Stefanie von aethic.de

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Stellt Euch doch mal kurz vor. 
N: Hallo, ich bin Natascha. Ich habe gerade meinen Masterabschluss an der Kunsthochschule Berlin Weißensee gemacht und arbeite jetzt daran, mich während des Meisterschülerjahres selbstständig zu machen. Im Rahmen des Masters habe ich an dem Austausch- und Weiterbildungsprogramm „Berlin-Dhaka“ teilgenommen, das auf nachhaltige Modegestaltung abzielt. Dadurch habe ich indirekt Stefi kennen gelernt und wir haben zusammen aethic.de gegründet.
S: Ich habe mein Diplomstudium mit Meisterschülertitel in Modedesign an der Kunsthochschule Berlin Weißensee bei Doreen Schulz und Clara Leskovar vom Modelabel c.neeon absolviert. Teilweise parallel dazu habe ich mich seitdem verstärkt konzeptionell mit nachhaltiger Mode beschäftigt, als Stylistin und Freelance-Designerin für aufstrebende, faire Labels ausprobiert und MusikerInnen mit Kostümen ausgestattet. Momentan führt mich mein Weg zur Theaterbühne.

Wie sieht ein typischer Tag bei Euch aus? Gibt es das überhaupt?
S: Jeder Tag ist einzigartig abgesehen davon, dass ich versuche wenigstens 7 ½ Stunden Schlaf zu bekommen und ein reichhaltiges Frühstück zu mir zu nehmen. Dann fahre ich entweder ins Atelier, treibe mich auf dunklen Probebühnen herum oder arbeite bis spät nachts am Computer, wenn ich nicht gerade einen sozialen, sportlichen, spirituellen, kreativen oder unterhaltsamen Ausgleich suche.
N: Einen typischen Tag gibt es für mich nicht. Als Modegestalter arbeite ich eher blockweise. Mal mache ich den ganzen Tag Strickproben, mal zeichne ich, mal nähe ich tagelang, mal mache ich nur Recherche, Kalkulation oder schreibe.
Mode und Moral
Was bedeutet Nachhaltigkeit für Euch in Euren verschiedenen Tätigkeiten? Was macht Ihr? Erzählt doch mal ein wenig…
S: Auf der professionellen Ebene trage ich eine große Verantwortung dafür, mich als Gestalterin von Produkten auch meinen Ideen von Nachhaltigkeit zu verschreiben. Das geht so weit, dass ich für kein konventionelles Mode-Unternehmen arbeiten möchte und stattdessen die Auseinandersetzung damit auf aethic.de betreibe und mich kreativ als Kostümdesignerin auslebe. Man könnte meinen, die Bühne geht auch ‚verschwenderisch‘ mit Materialien um, aber lange nicht in der Masse und Art und Weise wie die Modeindustrie. Für die Unterhaltungskunst sehe ich sogar das Potenzial, aus weniger mehr zu machen, aus dem Vorhandenen zu schöpfen oder Abfälle zu recyceln. Ganz zu schweigen davon, dass ihre Inhalte oft gesellschaftskritischer Natur sind.
N: Nachhaltigkeit ist für mich schon immer ein zentrales Thema in meinem Leben gewesen. In ihren vielen Facetten taucht sie in allen Bereichen meines Lebens auf. Bei aethic.de geht es hauptsächlich um Aufklärung, darum, Fragen aufzuwerfen und wo möglich auch zu beantworten. Eine reale Verbesserung zugunsten der Nachhaltigkeit kann es denke ich nur geben, wenn möglichst alle mitziehen; dafür brauchen wir aufgeklärte Konsumenten.
Auf der anderen Seite möchte ich mit meinem Label „Natascha von Hirschhausen“ Konsumalternativen bieten, die nachhaltig produziert, langlebig und hochwertig sind. Mir geht es darum Kleidung zu gestalten, welche nicht nur ethisch höchsten Standards entspricht, sondern die man auch jeden Tag jahrelang tragen möchte.
Und für  Euch persönlich? Gibt es da einen Unterschied?
S: Für mich bedeutet das, als Privatperson meinen Konsum bewusst zu lenken und an entscheidenden Stellen zu minimieren. Leider ist das nicht immer ganz einfach, wenn ich z.B. im Supermarkt nahezu alles nur in Folien verpackt kaufen kann. Ich bin generell weniger Materialist, renne keinen Trends hinterher und muss nicht das Neuste besitzen.
N: aethic.de macht da keinen Unterschied. Dafür schreibe ich Beiträge, die mich interessieren, so wie ich sie recherchiert habe und empfinde.
Beim Label gibt es einen kleinen Unterschied; während ich mich privat vegan ernähre, gehe ich in der Bekleidungsgestaltung einen Kompromiss für die Nachhaltigkeit der Produkte ein. Ich benutze Seide und Wolle. Zum einen da die Eigenschaften und die echte Natürlichkeit der Materialien einmalig sind. Zum anderen kann man sie zertifiziert beziehen und sie sind im alltäglichen Gebrauch beim Konsumenten langlebiger. (Eine Seidenbluse schmeißt man nicht einfach weg.) Dazu kommt, dass die Alternativen wie Tencel und Co, in Sachen nachhaltiger Standards und Transparenz noch einige Wünsche offen lassen.
Wie konsumiert Ihr Bekleidung? Eure 5 Tipps!
S: Was Mode angeht, bin ich ein überzeugter Fan von Second Hand, Vintage und eingelebter Kleidung – ganz Grunge ‚geblieben‘. Ich empfehle daher mal das Experiment, auf Neu-Beschaffungen eine längere Zeit zu verzichten, großen Modemarken fern zu bleiben und nötige Basics nur von ethischen Labels zu beziehen. Man muss auch nicht jedes Teil sofort nach einmaligem Tragen wieder waschen; unser modernes Verständnis von Hygiene hat sich da zugespitzt. Löcher und Risse können, wenn sie als störend empfunden werden, natürlich repariert werden.
N: Ehrlich gesagt konsumiere ich kaum Kleidung. Ich stecke fast jeden Cent den ich habe in mein Label. Meinem Opa zufolge bin ich der typische „Schuster ohne Schuhe“. Bei Probeteilen achte ich allerdings darauf, dass sie so verarbeitet sind, dass man sie tragen kann. Zum einen, weil ich meine eigenen Designs gerne trage, zum anderen, damit ich nicht so viel wegschmeißen muss.
Meine beiden Tipps wären:
1. GOTS zertifizierte Naturfasern
2. Nur Kleidung kaufen, die man wirklich jahrelang tragen will, keine halben Sachen. Wenn die Kleidung nicht lange genutzt und achtsam behandelt wird, nützt auch das nachhaltigste Teilchen nichts.
Habt Ihr Tipps zu Labels, Shops, Literatur, Events, Blogs etc.? 
Was wünscht Ihr Euch im Bezug auf Konsum und Angebot? 
S: weniger Konsum allgemein bzw. von konventioneller Mode
  • größeres Angebot von nachhaltigen Produkten
N: Ich würde mir wünschen, dass auch kleinere Labels wieder eine Chance am Markt kriegen und dass die Menschen wieder bewusster konsumieren. Momentan klafft die Schere immer weiter auseinander. Billiger und unfairer Produktion und Konsum als Freizeitbeschäftigung steht oft ein nahezu vollkommener Konsumverzicht gegenüber. Ich würde mir wünschen, dass wieder weniger aber hochwertig und langlebig konsumiert wird. Damit könnte man auch wieder kreative Potenziale für Designer schaffen und hochwertige, fair hergestellte Produkte hätten eine Chance.
Gedanken
Habt Ihr ein textiles Objekt, das Euch schon lange begleitet und Ihr nicht hergeben werdet?
S: Seit über 15 Jahren besitze ich eine Jeanshose, an der sich meine Mutter schon wegen ihrer Verschleißerscheinungen gestört hat und die ich auch weiterhin bis zum absoluten Total-Verfall mit Stolz tragen werde.
N: Viele. Aber eines meiner Lieblingsstücke ist ein Mantel, den ich von meiner Mutter „geerbt“ habe. Sie hat ihn 1992 in Schweinfurt gekauft. Ich war damals drei. Es ist ein Monstrum aus dunkelblauer und beiger Wolle, vorne mit doppeltem Kragen und riesigen Schulterpolstern – ein echtes Original. Vor einigen Jahren habe ich ihn eingemottet im Keller entdeckt, musste schmunzeln und habe ihn seitdem nicht wieder hergegeben.
Wann seid Ihr glücklich?
S: Wenn ich erkenne, dass jeder kleine Moment Glück enthält und in Gesellschaft von glücklichen Menschen.
N: Eigentlich meistens. Sicher gibt es auch schwierige Zeiten, aber am wichtigsten finde ich eine positive Grundeinstellung; ich bin sehr dankbar für das was ich machen darf. Ich habe gute Freunde und Rückhalt in der Familie wenn es nötig ist. Ich finde und sehe Sinn in meiner Arbeit und mache sie gerne; da steht man auch schwere Zeiten gut durch.

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