Reisebericht: lab-of-tomorrow

Enrico Rima GIZ
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Lebenskleidung Co-Founder Enrico Rima war im Dezember in Kambodscha, um dort am „lab-of-tomorrow“ der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) teilzunehmen. Was genau es damit auf sich hatte, welche Erfahrungen Enrico dort gemacht hat und welche Bilanz er persönlich zieht, liest Du in seinem Reisebericht!

Während des „lab-of-tomorrow“ (LoT) zur nachhaltigen Textilproduktion in Kambodscha, welches in seiner ersten Phase in Berlin und in seiner Zweiten in Phnom Penh stattfand, entwickelte ein Konsortium, das aus Produzenten, Handelsvertretern, Textilberatern, IT-Fachleuten und GIZ-Mitarbeitern bestand, ein Arbeitskonzept, welches im Rahmen einer möglichen Umsetzung als „digitales Instrument“ zur Unterstützung kambodschanischer Arbeitsinspektoren entwickelt werden soll.

Des Weiteren war eine anschließende Sondierung kambodschanischer Textilfabriken Teil des Aufenthaltes in Kambodscha. Die Teilnehmergruppe zum LoT bestand aus Vertretern deutscher Textilunternehmen, Mitgliedern des Bündnisses für nachhaltige Textilien und Textilberatern. Ziel der Sondierung war es, die Marktsituation für mögliche Kooperationen abzuschätzen sowie Eindrücke über die Arbeitssituation und Bedingungen in kambodschanischen Fabriken zu gewinnen.

Während des Workshops wurde allen Teams die Möglichkeit geboten, sich mit Inspektoren/-innen, Arbeitern/-innen, Gewerkschaften und dem Fabrikmanagement intensiv auszutauschen. Ein Anlass für diese Gespräche war die Berücksichtigung eines praxisbezogenen Inputs, um Aspekte aus diesen Gesprächen in die digitale Lösung mit einzuarbeiten.

Die in Berlin entwickelten Lösungsansätze wurden erneut von allen Teams in Phnom Penh bearbeitet, neue Ideen mit eingebracht und Prototypen erstellt. Die verschiedenen Prototypen wurden den anderen Teams vorgestellt und die Feedbacks aus den internen Befragungen ausgewertet, um im Anschluss die Ergebnisse erneut in die Prototypen einzuarbeiten.

In der Endphase haben die Teams Roadmaps für die praktische Umsetzung ihrer Prototypen erstellt. Dazu wurde ausgearbeitet, wie und mit welchen weiteren Schritten die Prototypen in die Umsetzung gehen könnten.

 Anschließende Sondierungsreise

Anlass der Sondierungsreise in  Phnom Penh und des Besuchs einiger Textilfabriken war es, sich ein Bild über die Möglichkeiten für die deutsche Textilindustrie und den Handel in Kambodscha zu machen. Gleichzeitig konnten die Teilnehmer Einblicke in die Arbeitsbedingungen und Sozialstandards vor Ort erhalten sowie Informationen zum Einfluss der Gewerkschaften und zu Problemen der Fabrikbesitzer erlangen.

Tag 1

  • Arbeitsfrühstück mit dem Landesdirektor der GIZ, Herrn Adalbert Eberhardt, und der WZ-Referentin, Frau Ludgera Klemp, in Phnom Penh. Während des Gesprächs konnten erste Eindrücke über die jüngste Entwicklung der Kooperation zwischen Kambodscha und der Bundesrepublik gewonnen werden.
  • Besuch der Textilfabrik GDM Enterprise LTD. Während des Besuches konnten Eindrücke über die Arbeitsbedingung und Standards in einer Fabrik mit chinesischen Investoren in Kambodscha gewonnen werden.
  • Besuch der Garment Manufacturers Association Cambodia (GMAC), Treffen mit deren Vorsitzendem Ken Loo. Mr. Loo hat die Problematik zwischen den Fabrikbesitzern, den Gewerkschaften und den Arbeitsinspektoren geschildert.
  • Treffen mit Mr. Siv Hong vom Ministry of Commerce. Auch während dieses Gespräches kam es zu einem Austausch der Erfahrungen zwischen den Fabriken, Investoren, Inspektoren  und dem Handelsministerium.

Tag 2

  • Besuch der Zhen Tai Garment Factory. Diese Fabrik ist mit hohem technischem Equipment ausgestattet.
  • Problematik wie bei allen anderen Fabriken auch, Produktivität ist zu niedrig, Löhne steigen, Produktionsunterberechnungen, veranlasst durch die Gewerkschaften.
  • Standort bei wachsenden Löhnen nicht mehr lange attraktiv.

Zusammenfassung aus Teil 1 und Teil 2 der Reise

Sicherlich ist es für das Land, die Fabriken und die Ministerien hilfreich, ein digitales Tool für mehr Transparenz zu entwickeln. Damit wäre Kambodscha von allen Textil produzierenden Ländern ganz weit vorne anzusiedeln. Transparenz alleine genügt jedoch nicht, es kam auch klar heraus, dass der Altersdurchschnitt sehr jung ist (18-22 Jahre) und damit Erfahrung und das Training fehlen.

Wenn also Textilien und Bekleidung nachhaltig in diesem Land hergestellt werden sollen, müssen der Aufbau und die Unterstützung weitreichender sein.

  • Transparenz ist wichtig, um Vertrauen für Handel, Industrie und Investoren zu schaffen.
  • Ausbildung und Training muss begleitend eingebracht werden, um die jungen Leute auf die wachsende Industrie vorzubereiten.
  • Nur auf diesem Weg kann die Kluft zwischen den Arbeitern und dem heutigen Leistungsstand der Mitbewerber (China, Bangladesch, Indien) ausgeglichen werden.
  • Folge daraus wäre auch, dass in den Fabriken weniger Überstunden und damit wenige Streiks zu Stande kommen würden.
  • Infrastruktur muss verbessert werden, damit die Mitarbeiter der Fabriken leichter und sicherer zum Arbeitsplatz kommen.
  • Es darf nicht vergessen werden auch die lokalen Fabrikbesitzer zu unterstützen damit keine Abhängigkeiten durch die Investoren entstehen.
  • Kambodscha hat vor den Kriegen erfolgreich Baumwolle angepflanzt und geerntet, dies sollte wieder aufgenommen werden, damit ein Teil der Produkte später wieder im Vollgeschäft abgewickelt werden können.

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